30.5.2013

Freiwilligenarbeit bei Unámonos und Hogar de Cristo in Arequipa

Freiwilligenarbeit bei Unámonos und im Hogar de Cristo

Mein Name ist Kirsten Mögel, ich bin 20 Jahre alt und komme aus Weil der Stadt. Im Juli 2012 habe ich am Johannes-Kepler-Gymnasium mein Abitur gemacht. Für mich stand schnell fest, dass ich nicht sofort mit dem Studium beginnen wollte. Stattdessen wollte ich ins Ausland gehen, am liebsten nach Südamerika. Die Länder hatten mich schon lange fasziniert, und da ich in der Schule fünf Jahre Spanisch gelernt hatte, freute ich mich darauf, neue Kulturen kennenzulernen und meine Sprachkenntnisse anzuwenden.

Diesen Wunsch habe ich mir erfüllt und war insgesamt acht Monate unterwegs. Während dieser Zeit konnte ich Uruguay, Argentinien, Ecuador, Bolivien und vor allem Peru näher kennenlernen. Den größten Teil, knapp sechs Monate, verbrachte ich in Peru, wo ich verschiedene Praktika absolvierte, unter anderem in Krankenhäusern als Vorbereitung auf mein Medizinstudium, das ich in diesem Jahr beginnen möchte.

Der Weg zu Unámonos und Hogar de Cristo

Auf Unámonos und das Hogar de Cristo bin ich durch das Projekt „Mitmachen Ehrensache“ gestoßen, das ich an meiner Schule organisiert hatte. Der Erlös dieses Projekts ging in diesem Jahr zufällig an Unámonos. Dadurch lernte ich Frau Dr. Schnaufer kennen und kam mit ihr in Kontakt. Sie fragte mich, ob ich mir vorstellen könne, vor Ort zu helfen. So erzählte ich ihr von meinem Südamerikavorhaben, und es war kein Problem, die Projekte Unámonos und Hogar de Cristo auch für einen Zeitraum von zwei bis drei Monaten zu unterstützen.

In den Monaten Mai und Juni 2013 arbeitete ich schließlich als Freiwillige zwei Tage pro Woche bei Unámonos und drei Tage pro Woche im Hogar de Cristo.

Alltag bei Unámonos

Unámonos ist eine Stiftung für bedürftige Kinder mit geistigen und oder körperlichen Behinderungen in Arequipa. Aktuell werden dort etwa 20 Babys sowie rund 84 Kinder und Jugendliche betreut, die überwiegend das Down-Syndrom haben. Die Einrichtung ist sehr gut strukturiert und gliedert sich in verschiedene Bereiche, von der Frühstimulation über Kindergarten und Schule bis hin zur Vorbereitung auf ein späteres Berufsleben.

Die Kinder sind vormittags von 8:30 Uhr bis 13:30 Uhr in der Einrichtung und bekommen in einer Pause auch etwas zu essen.

Dienstags arbeitete ich in der Frühstimulation mit Babys und Kleinkindern bis etwa drei Jahre. Wir arbeiteten viel mit Musik und Gesang, da die Kinder so Informationen schneller aufnehmen. Außerdem malten wir, lernten Körperteile kennen oder beschäftigten uns mit Farben, zum Beispiel mit einer sogenannten Farbampel. Oft saßen wir mit den Kindern auf Matratzen, machten Übungen zur Feinmotorik und legten etwa Kugeln in Flaschen.

Mittwochs war ich in der fünften Klasse bei Jugendlichen im Alter von 14 bis 15 Jahren. Die Schülerinnen und Schüler waren sehr herzlich und liebevoll und kamen schon nach kurzer Zeit auf mich zugelaufen, um mich zu umarmen. In der Klasse gab es sechs Jugendliche mit sehr unterschiedlichen Fähigkeiten. Entsprechend bekamen sie verschiedene Aufgaben, bei denen ich unterstützte. Während einige noch mit einfachen Zahlen oder dem Schreiben ihres Namens übten, konnten andere bereits Diktate schreiben oder bis 20 subtrahieren.

Der Stundenplan umfasste Fächer wie Musik, Sport, Sprachtherapie sowie handwerkliche Tätigkeiten wie Schreinern oder Knüpfen. Gegen 11:15 Uhr gab es eine Pause mit Essen, anschließend räumten die Kinder auf, spülten und hatten kurz freie Zeit, da sie sich nicht lange am Stück konzentrieren können. Um 13:30 Uhr endete der Schultag.

Ein besonderer Festtag: In traditioneller Tracht wird das Miteinander gefeiert.
Arbeit im Hogar de Cristo

An drei Tagen pro Woche arbeitete ich nachmittags im Hogar de Cristo mit sogenannten Straßenkindern aus Arequipa. Die Einrichtung betreut etwa 40 bis 50 Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis siebzehn Jahren, die in großer Armut leben und häufig familiäre Probleme haben. Es gibt eine Vormittags- und eine Nachmittagsgruppe.

Ich arbeitete montags, donnerstags und freitags von 14:30 bis 19 Uhr. Zunächst bereiteten wir das Mittagessen vor, teilten es aus und beteten gemeinsam. Danach übernahmen die Kinder verschiedene Putzaufgaben. Anschließend machten wir gemeinsam Hausaufgaben. Später folgten kleinere Projekte wie Musik, Nähen, Tanzen oder Backen. Den Abschluss bildete das gemeinsame Abendessen, wieder mit anschließendem Aufräumen. Gegen 19 Uhr gingen die Kinder nach Hause.

Die Arbeit im Hogar de Cristo war oft herausfordernder, da viele Kinder keine festen Regeln oder Strukturen kannten. Dennoch wuchsen sie einem mit der Zeit sehr ans Herz.

Besondere Erlebnisse und Abschied

Während meines Aufenthalts hatte ich auch die Möglichkeit, bei besonderen Aktionen mitzuhelfen. Bei Unámonos kommen einmal im Jahr Ärzte aus den USA, um die Kinder kostenlos zu untersuchen. Auch Zahnarztbesuche gehören dazu, teils unter leichter Narkose. Für mich als angehende Medizinerin war es sehr interessant, dabei zuzusehen. Zusätzlich lernte ich zufällig einen Zahnarzt kennen, der sich zukünftig ebenfalls engagieren möchte.

Es gab mehrere Feste, darunter Muttertags- und Vatertagsfeiern mit Aufführungen der einzelnen Gruppen. Ein weiteres Highlight war eine kleine Olympiade zwischen verschiedenen Schulen für Kinder mit Behinderung.

Der Abschied fiel mir nicht leicht. Die Mütter der Kinder aus der Frühstimulation organisierten eine Abschiedsfeier mit Torte und vielen Umarmungen. Auch im Hogar de Cristo wurde ein großes Muttertagsfest gefeiert. Zum Abschied bereiteten wir Freiwilligen belegte Brötchen für die Kinder vor, was für sie etwas Besonderes war. Mit den Mitarbeitenden gingen wir gemeinsam essen.

Rückblick

Rückblickend kann ich sagen, dass es die beste Entscheidung war, ins Ausland zu gehen. Ich habe viele neue Erfahrungen gesammelt, Menschen kennengelernt und Einblicke in andere Kulturen und Lebensweisen gewonnen. Die Freiwilligenarbeit bei Unámonos und im Hogar de Cristo hat mir sehr viel Freude bereitet, und ich habe viel gelernt. Ich kann es jedem nur empfehlen, denn die Hilfe wird gebraucht. Was man gibt, bekommt man in Herzlichkeit zurück. Irgendwann möchte ich zurückkehren und alle wieder besuchen.