25.2.2013

Ein vierwöchiges Praktikum bei Unámonos in Arequipa

Ein Praktikum im Kinderheim Unámonos

Ich heiße Laura Schneidewind, bin 23 Jahre alt und studiere Grundschullehramt in Freiburg. Im März 2013 habe ich ein vierwöchiges Praktikum im Kinderheim Unámonos in Arequipa gemacht. Diese Zeit hat mich sowohl fachlich als auch persönlich stark geprägt.

Ankommen in Arequipa

Am 25. Februar landete ich in Arequipa. Vom Flughafen wurde ich von meiner Gastfamilie abgeholt, bei der ich während meines Aufenthalts lebte. Die Mutter der Familie, Jimena Diaz Zapater, ist die Direktorin von Unámonos. Sie begegnete mir von Anfang an mit großer Offenheit und Herzlichkeit. Für mich war sie weniger eine klassische Gastmutter als vielmehr eine enge Bezugsperson oder Freundin. Sie war nett, humorvoll, hilfsbereit und sehr zugewandt. Entsprechend schnell fühlte ich mich in der Familie angekommen und wohl.

Morgens gingen Jimena und ich gemeinsam zu Unámonos, was mir den Einstieg zusätzlich erleichterte und mir half, mich früh in den Alltag einzufinden.

Arbeiten in der zweiten Klasse

Mein Praktikum absolvierte ich in der segundo grado, der zweiten Klasse, gemeinsam mit der Lehrerin Candy. Sie führte die Klasse mit einer Mischung aus Klarheit und großer Fürsorge. Der Schulalltag war geprägt von festen Ritualen und wiederkehrenden Abläufen, die den Kindern Sicherheit geben und für sie besonders wichtig sind. Die Arbeit mit ihnen bereitete mir viel Freude, sei es beim Unterstützen im Unterricht, beim gemeinsamen Lernen oder auch beim Albernsein zwischendurch.

In der zweiten Klasse stehen vor allem motorische Fähigkeiten im Vordergrund. Die Kinder lernen zu schneiden, zu malen, mit Besteck zu essen, soweit dies möglich ist, und sich angemessen zu begrüßen. Wir sprechen viel mit ihnen und hoffen dabei immer auf kleine Reaktionen. Es gab Tage, an denen viel gelang, und andere, an denen es schwieriger war. Manchmal kamen plötzlich ganze Sätze zum Vorschein. Die Kinder erzählen viel, auch wenn man nicht immer alles verstehen kann. Ihre Gestik spielt dabei eine große Rolle und hilft ihnen, sich mitzuteilen.

Viele der Kinder benötigen umfassende Unterstützung, etwa beim Toilettengang oder bei alltäglichen Handlungen. Für mich war das eine neue Erfahrung, und vor Beginn des Praktikums wusste ich nicht, ob ich damit gut umgehen würde. Im Alltag stellte sich jedoch schnell heraus, dass mir diese Aufgaben keine Schwierigkeiten bereiteten. Im Gegenteil, ich fühlte mich im Team sehr gebraucht und als wichtiger Teil der Arbeit. Das machte das Praktikum für mich zu einer großen persönlichen Bereicherung und bestärkte mich darin, mir eine spätere berufliche Tätigkeit mit behinderten Kindern gut vorstellen zu können.

Gemeinsam lernen. Gemeinsam lachen. Gemeinsam Zukunft schaffen.
Die Einrichtung und das Team

Unámonos erlebte ich als eine freundliche und offene Einrichtung. Das Gebäude ist einladend und kinderfreundlich gestaltet, vor allem in Blau- und Weißtönen. Die Klassen sind überschaubar und den Bedürfnissen der Kinder angepasst.

Besonders beeindruckt hat mich die liebevoll gestaltete Babygruppe. Therese, die dort arbeitet, ist eine sehr herzliche und gutmütige Frau, die ihre Aufgabe mit großer Hingabe erfüllt. Ich hielt mich auch außerhalb meiner eigentlichen Arbeitszeiten gerne dort auf, weil ich die Atmosphäre als besonders angenehm empfand. Insgesamt wirkten die Lehrkräfte kompetent und engagiert, was ich als zentrale Voraussetzung für diese Arbeit empfinde.

Die Kinder machten einen zufriedenen und fröhlichen Eindruck. Während meines Praktikums konnte ich viele kleine und größere Fortschritte beobachten, was mich sehr beeindruckte. Durch Gespräche erfuhr ich außerdem von den Lebenswegen mancher Schülerinnen und Schüler und war begeistert, wie viel Unterstützung sie bei Unámonos erhalten und wie weit sie es teilweise im Leben bringen.

Herausforderungen im Alltag

Eine Schwierigkeit besteht darin, dass viele Eltern die in der Schule erlernten Inhalte zu Hause nicht weiter mit ihren Kindern üben. Besonders problematisch ist dies während der langen Ferienzeiten. Wenn die Kinder über Monate hinweg ihre Übungen nicht machen, vergessen sie viel und müssen teilweise wieder von vorn beginnen. Für das Team bedeutet das zusätzliche Arbeit, um an bereits Erreichtes wieder anzuknüpfen. Das ist schade und verlangsamt den Lernprozess.

Rückblick und Fazit

Negative Erfahrungen bei Unámonos habe ich während meines Praktikums keine gemacht. Im Gegenteil, diese Zeit hat mich persönlich sehr weitergebracht. Ich bin nachhaltig beeindruckt von der Arbeit der Einrichtung. Die fröhliche und positive Atmosphäre, die sowohl von den Kindern als auch von den Lehrkräften ausgeht, schafft Motivation und Energie für jeden neuen Tag.

Die Kinder kommen mit einem Strahlen in die Schule, werden umarmt und herzlich begrüßt. Für mich fühlte es sich an wie eine große Familie, in der ich für kurze Zeit ein Teil sein durfte. Der Leitspruch
„Somos más que una escuela, somos una familia“
trifft diese Erfahrung aus meiner Sicht sehr genau.

Dieses Praktikum hat mich so inspiriert, erfüllt und glücklich gemacht wie keine andere Arbeit zuvor. Ich bin dankbar für diese Zeit, die in mir eine tiefe Verbundenheit zu Peru, seiner Kultur und seinen Menschen geweckt hat, so sehr, dass ich mir vorstellen könnte, dort zu leben.