Unámonos-Schule auf der Kippe
Pressebericht – Dezember 2020
Es ist das Erbe von Rose und Rolf Schnaufer: Seit vielen Jahren helfen Weil der Städter Kindern mit Down-Syndrom in Peru. Doch im Corona-Lockdown geht der Stiftung Unámonos das Geld aus.
Seit März haben die Lehrer ihre Schülerinnen und Schüler nicht mehr persönlich gesehen. „Uns ist es aber gelungen, unsere Beziehung zu den allermeisten Jugendlichen aufrechtzuerhalten“, sagt Jimena Diaz, die für den Unterricht zuständige Direktorin. Trotz der schwierigen Lage wirkt sie nicht unzufrieden. „Ja, darüber sind wir überglücklich.“
Corona hat den südamerikanischen Andenstaat Peru fest im Griff. Auch in Weil der Stadt wird mit Sorge auf die Situation geblickt. Die Stiftung Unámonos betreibt in Arequipa eine Schule und ein Kinderheim für behinderte Kinder und Jugendliche, die meisten davon mit Down-Syndrom. „Ich telefoniere regelmäßig mit den drei Direktorinnen“, sagt der Stiftungsvorsitzende Hans Dieter Scheerer. „Große Sorgen machen uns die finanziellen Auswirkungen des Lockdowns in Peru.“

Digitale Schule unter schwierigen Bedingungen
Wie dramatisch die Lage ist, schildern die Direktorinnen Jimena Diaz (Unterricht), Silvana Cavallero (Inklusion und Integration) und Cecilia Corpancho (Verwaltung) dem Reporter per Videokonferenz aus Peru.
110 Kinder mit besonderem Förderbedarf werden an der Schule in Arequipa betreut. 107 davon erreichen die Pädagogen weiterhin über Handy- oder Computer-Unterricht. „Das ist unser großer Erfolg“, sagt Silvana Cavallero. Die Eltern seien äußerst engagiert. „Manche Familien haben kein Internet“, berichtet sie, „dann fragen sie Nachbarn oder teilen sich den Zugang.“ Die Eltern seien „fantastisch“.


Ein schmerzhafter Verlust
Ein schwerer Schlag für die Schulgemeinschaft war der Tod eines Kollegen, der an Corona verstorben ist. Der Lehrer war erst 50 Jahre alt. Auch Hans Dieter Scheerer hatte ihn gekannt. „Das war ein Bär von einem Menschen – man hätte es ihm am wenigsten zugetraut, dass ihn dieses Virus umhaut.“
Neben der gesundheitlichen Lage sind es vor allem finanzielle Sorgen, die die Situation verschärfen. „Die Wirtschaft in Peru wurde von kleinen Unternehmen getragen“, erklärt Jimena Diaz. Viele Selbstständige – etwa Taxifahrer – können im Lockdown nicht arbeiten. „Die Leute dürfen nicht nach draußen, deshalb haben sie kein Geld und nichts zu essen.“
Hilfe zu Weihnachten – doch das Geld reicht nicht
Um die schlimmste Not zu lindern, plant die Stiftung, den Familien Weihnachtspakete zukommen zu lassen. Doch das strukturelle Problem bleibt: Die Eltern können die Schulgebühren nicht mehr bezahlen. Rund 15.000 Euro pro Monat benötigt die Schule. 27 Angestellte arbeiten dort, 16 werden vom peruanischen Staat bezahlt. Für elf Pädagogen muss die Schule selbst aufkommen. „Bis Ende Dezember reicht unser Geld“, sagt Verwaltungschefin Cecilia Corpancho.
Appell an die Bevölkerung
Für Hans Dieter Scheerer ist klar, dass Hilfe notwendig ist. Er wendet sich deshalb an die Bevölkerung in Weil der Stadt. „Auch der kleinste Betrag ist hier sehr hilfreich“, betont er. Gerade zu Weihnachten sei es wichtig, die Schwächsten nicht zu vergessen.
Die Stiftung Unámonos geht auf das Ehepaar Rose und Rolf Schnaufer zurück. Rolf Schnaufer war bereits in den 1950er-Jahren regelmäßig in Peru tätig, Rose Schnaufer hatte familiäre Wurzeln in Südamerika. Der Wille zu helfen war für beide selbstverständlich.
Zukunftspläne durch Corona gestoppt
Eigentlich sollte die Schule weiter wachsen: Frühförderung für Kleinkinder, Programme zur Arbeitsintegration Erwachsener, Familientherapien und ein Onlineshop für Produkte aus den Werkstätten waren geplant. „All das konnte nicht wie vorgesehen umgesetzt werden“, berichtet Scheerer. Umso größer ist der Stolz auf das Team vor Ort: „Wir sind sehr stolz, dass wir drei so engagierte Frauen und ihre Mitarbeiter haben.“
(Erschienen in der Leonberger Kreiszeitung am Mittwoch, 23. Dezember 2020)



