18.2.2020

Von den Ruinen der Inkas bis zum Zuckerhut nach Rio

Reisebericht der Stiftung Unámonos

Die alljährliche Reise von Mitgliedern der Weil der Städter Stiftung Unámonos führte dieses Jahr unter der Führung des Stiftungsratsvorsitzenden Hans Dieter Scheerer zunächst über Lima nach Cusco, dem Ausgangspunkt der Besichtigung der berühmten Inka-Stadt Machu Picchu in Peru.

Anreise nach Peru und erste Stationen

Der fast zwölfstündige Flug von Stuttgart über Amsterdam nach Lima war aufgrund der durchaus akzeptablen Verpflegung der Fluggesellschaft sowie des Unterhaltungsprogramms kurzweiliger als gedacht. Eine kurze Nacht in Lima mit sehr frühem Aufstehen bereitete aufgrund der Zeitverschiebung keine allzu großen Probleme. Bereits am nächsten Morgen führte die Reise weiter von Lima nach Cusco.

Dort wurde die Gruppe mit peruanischer Höflichkeit von der Reiseleiterin Karen in Empfang genommen. Das große Gepäck wurde im Hotel abgestellt, und mit kleinem Gepäck ging es per Bus weiter nach Ollantaytambo. Von dort führte die Fahrt mit dem Zug nach Aguas Calientes, dem Ausgangspunkt für den Besuch des Weltkulturerbes Machu Picchu.

Machu Picchu – die Inka-Stadt in den Wolken

Am darauffolgenden Morgen ging es sehr früh mit dem Bus hinauf zur Inka-Stadt Machu Picchu. Zu Beginn war die Stimmung etwas gedämpft: Regen und dichter Nebel verhinderten zunächst die Sicht auf die berühmten Ruinen. Doch gegen die Mittagszeit lockerte die Bewölkung auf, und es eröffnete sich ein beeindruckender Blick auf die Anlage. Einzig die große Anzahl an Touristen – derzeit besuchen täglich rund 5.000 Menschen diese Ruinen – störte etwas bei den Fotoaufnahmen.

Sehr beeindruckt von den architektonischen und handwerklichen Fähigkeiten der Inkas fuhr die Gruppe zunächst mit dem Zug und anschließend mit dem Bus zurück nach Cusco.

Besuch des Machu Picchu
Durch die Anden zum Titicacasee

Am nächsten Morgen ging es mit dem Peru-Rail, einem exklusiven Zug, von Cusco in Richtung Puno am Titicacasee. Für die knapp 400 Kilometer benötigt der Zug mehr als zehn Stunden, da höhere Geschwindigkeiten in den Anden auch aufgrund der vorhandenen Technik nicht möglich sind.

In einem Aussichtswaggon konnte die eindrucksvolle Landschaft genossen werden. Bis zu 4.000 Höhenmeter mussten überwunden werden. Ein guter Pisco Sour – das Nationalgetränk der Peruaner aus Pisco, Eis und Eierschaum – sowie ein hervorragendes Drei-Gänge-Menü verkürzten den Reisenden die Zeit.

Die schwimmenden Inseln der Uros und Taquile

In Puno, einer direkt am Titicacasee gelegenen Stadt, bezog die Reisegruppe ein Hotel nahe der Plaza de Armas. Am darauffolgenden Morgen ging es per Boot zunächst zu den Uros, den sogenannten schwimmenden Inseln. Dieser seit Jahrhunderten auf Schilfinseln lebende Indianerstamm beeindruckte die Gruppe sehr.

Bei strahlendem Sonnenschein, aber kühlen Temperaturen – die Sonne ist in dieser Höhe nicht zu unterschätzen – führte die Weiterfahrt zur Insel Taquile. Ursprünglich als Strafinsel genutzt, leben hier heute Peruaner, die eine bescheidene Landwirtschaft betreiben und Besuchern alte Handwerkstraditionen zeigen. Hier stricken ausschließlich die Männer, zudem werden ursprüngliche Tänze vorgeführt, bei denen auch Touristen zum Mitmachen eingeladen werden.

Begegnungen vor Ort: Mitglieder der Stiftung Unámonos im Austausch mit Verantwortlichen in Arequipa.
Von Puno nach Arequipa – Hochland und Vulkane

Die Weiterreise führte mit dem Bus von Puno nach Arequipa über die Anden, wobei Höhen von bis zu 4.500 Metern überwunden wurden. Die Landschaft ist geprägt von kargen Ebenen, hohen Bergen, kerzengeraden Straßen, Steinwüsten, Salzseen mit rosa Flamingos sowie Grasland mit Vikuñas, Alpakas und Lamas.

Arequipa, die zweitgrößte Stadt im südlichen Hochland Perus und Sitz der Schule Unámonos, ist für einige der Reiseteilnehmer bereits vertraut. Die Stadt mit mittlerweile über einer Million Einwohnern liegt umgeben von drei Vulkanen, darunter der noch aktive Vulkan Misti. Kleinere und mittlere Erdbeben zeugen regelmäßig von der seismischen Aktivität der Region.

Besuch der Schule Unámonos

Der Besuch der Schule wurde zu einem großen Wiedersehensfest mit den Kindern und Jugendlichen, den Lehrkräften sowie dem Direktorium. Mitgebrachte Geschenke wurden mit strahlenden Augen dankbar entgegengenommen.

Bereits beim ersten Rundgang zeigte sich, dass die begonnenen Renovierungsarbeiten erste Erfolge aufweisen. Sanitärräume, Toiletten, Duschen und Küchen sind teilweise bereits erneuert. Weitere Räume werden sukzessive renoviert und auf aktuelle Standards gebracht. Die Schreinerei, die vor einigen Jahren erweitert wurde, ist jedoch erneut zu klein geworden und muss nochmals vergrößert werden.

Planung, Ausbau und finanzielle Herausforderungen

In Gesprächen zwischen Mitgliedern des Stiftungsrats und dem Direktorium vor Ort wurde diskutiert, einen Teil des Gebäudes um ein weiteres Stockwerk zu erhöhen. Ziel ist es, zusätzliche Klassenzimmer zu schaffen und die Schreinerei in andere Räumlichkeiten zu verlagern. Es wurde vereinbart, hierfür eine Planung sowie eine Kostenschätzung zu erstellen, um das Projekt zeitnah umsetzen zu können.

Auch die Spielmöglichkeiten sollen zukünftig verbessert und zusätzliche Grünflächen geschaffen werden, um den Kindern und Jugendlichen den Umgang mit Pflanzen zu ermöglichen.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass staatliche Zuschüsse für die Schule ab 2020 aufgrund gesetzlicher Änderungen größtenteils gekürzt werden. Dadurch wird es notwendig sein, künftig mehr Spendengelder aufzubringen, um den Lehrbetrieb in gewohnter Weise fortzuführen.

Programme für die Zukunft

Um Unámonos langfristig überlebensfähig zu machen, wurden sechs zentrale Arbeitsbereiche definiert. Neben der schulischen Förderung von Kindern und Jugendlichen – überwiegend mit Down-Syndrom – soll künftig auch die Frühförderung von Kleinstkindern bis zu drei Jahren einen stärkeren Schwerpunkt bilden.

Seit mehr als zehn Jahren werden zudem jährlich bis zu zehn über 18-Jährige in einfachen Tätigkeiten ausgebildet, um ihnen den Einstieg in das Berufsleben zu ermöglichen. Dieses Projekt konnte bislang 25 Jugendliche in 18 Betriebe vermitteln.

Ein weiterer Bereich ist ein kostenpflichtiges Beratungsprogramm für Schulen und Unternehmen im Umgang mit behinderten Kindern. Die Einnahmen sollen andere Tätigkeitsfelder mitfinanzieren.

Das Programm „Contigo“ ermöglicht therapeutische Angebote mit Pferden und Kleintieren auf einem außerhalb von Arequipa gelegenen Gelände. Ziel ist die Förderung sozialer Kompetenzen und die Vorbereitung auf das Berufsleben.

Unter der Marke „1EN1000 – 1 in 1000“ sollen künftig Produkte aus den Schulwerkstätten verkauft werden – von Kleinmöbeln über handgestrickte Schals bis hin zu Papierarbeiten und Modeschmuck.

Die Programme im Überblick

Weitere Projekte und Abschluss der Reise

Ein weiterer Besuch galt der Schule I.R.I.D., in der schwerstbehinderte Kinder betreut werden. Die dortigen Eindrücke verdeutlichten eindringlich den hohen Pflegebedarf. Ein Geldbetrag aus der Kleideraktion der katholischen Kirche Weil der Stadt konnte der Heimleiterin Marie Luz übergeben werden.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen im Club Arequipa mit Vertretern des Kuratoriums vor Ort folgte ein Ausflug ins Colca-Tal – eines der tiefsten Täler der Welt, in dem bei guter Thermik majestätische Kondore mit Spannweiten von über drei Metern zu sehen sind.

Ein kurzer Aufenthalt in Lima schloss den Peru-Teil der Reise ab. Letzte Station war Rio de Janeiro mit Besichtigungen des Zuckerhuts, der Christusstatue, des Maracanã-Stadions und der Copacabana. Über Amsterdam führte die Rückreise schließlich zurück nach Stuttgart.

Müde, aber mit vielen Eindrücken und wichtigen Erkenntnissen kehrte die Gruppe zurück. Die Reise zeigte eindrucksvoll, wie wichtig der persönliche Austausch vor Ort ist, um gemeinsam mit den Verantwortlichen in Peru und Deutschland tragfähige Lösungen für die Zukunft der Schule und der Kinder und Jugendlichen zu entwickeln.