Erschienen im WOCHENBLATT WEIL DER STADT, Donnerstag, 03. November 2022

14-jährige Solistin beeindruckt am Violoncello

Alle Musikinteressierten, die an diesem Abend nicht anwesend seien, würden es sicher bereuen, prophezeite Hans Dieter Scherer vergangenen Sonntag den Zuhörern, bevor er die Bühne freigab für das Bosch Sinfonieorchester. Und damit hat er nicht zu viel versprochen. Das beliebte Orchester, das sich aus Mitarbeitern der Bosch-Gruppe zusammensetzt, spielte zugunsten der Stiftung Unámonos ein Konzert, das dem Lob des Stiftungsratsvorsitzenden alle Ehre machte.

Zunächst stand das Stück Capriccio Italien Opus 45 von Tschaikowsky auf dem Programm, ein sehr bekanntes klassisches Musikstück, das auch für einen deutschen Schlager genutzt wurde, nämlich für „Bianca” von Freddy Breck. Mit großer Leidenschaft und Hingabe spielte das Orchester unter der Leitung von Hannes Reich diesen klassischen Ohrwurm.

Das zweite Stück, das Konzert für Violoncello und Orchester C-Moll von Johann Christian Bach mit der Solistin Greta Kefer am Violoncello, war das absolute Highlight des Abends. Die gerade mal 14 Jahre alte Solistin spielte das Violoncello mit einer Virtuosität, die kaum zu überbieten war. Solistin und Orchester waren hervorragend aufeinander abgestimmt. Dennoch war die folgende Sinfonie Nr. 6 „Pathetique“ Opus 74 von Tschaikowsky nicht minder beeindruckend. Die vier Sätze verlangten dem Orchester alles ab. Dirigent Hannes Reich war deutlich erkennbar in seinem Element und spornte das Orchester noch einmal zu Höchstleistungen an.

Es lässt sich vermuten, dass so mancher im Publikum froh war, dass er nicht zu der eingangs erwähnten Gruppe jener gehörte, die diesen Abend verpasst haben. Hans Dieter Scheerer dankte dem Dirigenten Hannes Reich, der Solistin Greta Kefer, dem Organisator des Bosch Sinfonieorchesters, Georg Blume, sowie der Konzertmeisterin, Magdalene Iseli. Jeder bei dem Konzert gespendete Euro kommt direkt den von Unámonos unterstützten Kindern und Jugendlichen in Peru zugute, und die Stiftung ist sehr froh darüber, dass endlich wieder Benefizkonzerte stattfinden und diese wichtigen Spendengelder gesammelt werden können.

Unámonos

Seit mittlerweile 41 Jahren unterstützt die Weil der Städter Stiftung Unámonos Kinderheime und Einrichtungen für behinderte Kinder in Peru, insbesondere in Arequipa, der zweitgrößten Stadt Perus. Rund 120 behinderte Kinder vom Säuglingsalter bis zum Alt von 20 Jahren werden dort in einer Schule gleichen Namens betreut und auf das Berufsleben vorbereitet. Sie lernen handwerkliche Tätigkeiten genauso wie schreiben und lesen. So soll gewährleistet werden, dass die Kinder nach Beendigung der Schule selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen können.


Hilfe für behinderte Kinder und Jugendliche 

WEIL DER STADT. Die Weil der Städter Stiftung „Unámonos”, die behinderte Kinder im gleichnamigen Heim in Arequipa/Peru seit 40 Jahren jährlich mit über 40.000 Euro unterstützt, ist durch die Pandemie besonders bei der Akquise der Spenden beeinträchtigt. Die Einrichtung benötigt dringend Unterstützung, um pädagogisch sinnvoll weiterarbeiten zu können. Jede dritte Familie hat durch den Virus einen Verlust in ihrem unmittelbaren Umfeld erfahren, und auch vor den Lehrern hat die Pandemie nicht halt gemacht. Viele Menschen haben in Peru ihre Arbeit verloren und die Eltern der bei „Unámonos” untergebrachten Kinder hatten plötzlich keinerlei Einnahmen mehr. Der Vorsitzende des Stiftungsrates, Hans Dieter Scheerer, war Anfang November in Peru und hat sich selbst vor Ort ein Bild gemacht. Scheerer berichtete von seiner Reise bei der letzten Sitzung des Stiftungsrates in diesem Jahr und konnte den Mitgliedern einen persönlichen Eindruck von Peru, Arequipa und der Schule Unámonos vermitteln. 

Derzeit dürfen nur zwei Klassen parallel in der Schule unterrichtet werden. Es sind jeweils nur drei Kinder beziehungsweise Jugendliche zugelassen. In einem rollierenden System versuchen die Lehrer, den Unterricht so zu gestalten, dass zumindest die Schüler, die Interesse an einem Präsenzunterricht haben, auch mindestens einmal die Woche in die Schule gehen können. Es ist den Kindern, die teilweise sehr schwer behindert sind, nicht immer vermittelbar, permanent eine Maske zu tragen, jedoch mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen schaffen es die Lehrer, die Kinder hiervon zu überzeugen. Smartphones und Tablets Auch während der Pandemie hat das Direktorium zusammen mit den Lehrern über geliehene und gebrauchte Smartphones und Tablets die Kinder unterrichtet. So konnten die Kinder und Jugendlichen zusammen mit ihren Familienangehörigen gleichzeitig den Umgang mit elektronischen Geräten lernen. Geschwister und Eltern waren so auch direkt in den Unterricht eingebunden, was zu einem größeren Verständnis und engeren Zusammenhalt in der Familie geführt hat. 

Dieser Zusammenhalt, so Scheerer, war auch deutlich unter den Lehrern und dem Direktorium spürbar. Denn während der Pandemie kamen sämtliche geplante Konzepte zum Erliegen, sodass auch vor Ort kaum Chancen bestanden, durch neue innovative Konzepte staatliche oder private Gelder zu generieren. Umso mehr hoffen sie auf die Stiftung „Unámonos”. In einem Weihnachtsbrief, den die Stiftung die letzten Tage verschickt hat, machte Scheerer nochmals deutlich, dass viel Geld zum einen für die Sanierung des Schulgebäudes, aber auch für die laufenden Ausgaben wie das Bezahlen der Lehrer oder der Beschaffung von Unterrichtsmaterialien benötigt wird. Da dieses fahr nur zwei Benefizkonzerte zugunsten der Stiftung stattfanden, waren auch die Spendeneinnahmen geringer als in früheren Jahren. Die Spendenkonten sind im Internet unter w-ww.unamonos.de abrufbar. Jeder Euro ist willkommen und wird dringend in Peru benötigt. Es ist auch sichergestellt, dass jeder Euro ohne Abzug direkt in Peru ankommt. 

Unterstützen Sie Unámonos mit Ihrer Spende.

Erschienen in der Sindelfinger Zeitung am 16.12.21. Autor Ronald Lars


Das virtuose Ensemble gibt auf Einladung der Stiftung „Unámonos” ein Benefizkonzert im Spitalhof in Weil der Stadt.

WEIL DER STADT. Nach langer Zeit der kulturellen Abstinenz begann am vergangenen Sonntagabend wieder das kulturelle Leben in Weil der Stadt. Im Spitalhof konzertiere das Daimler-Blasorchester, ein kleiner Teil des weitaus größeren Daimler-Sinfonieorchesters Stuttgart im Spitalhof. Die Einnahmen dieses Benefizkonzerts gehen zugunsten der Weil der Städter Stiftung „Unámonos”, die schon seit 40 Jahren ein gleichnamiges Behindertenheim in der Stadt Arequipa im Süden Perus unterstützt.

Das Daimler-Sinfonieorchester, aus dem sich das Blasorchester rekrutiert, ist aus dem vor mehr als 40 Jahren gegründeten Daimler-Benz-Kammerorchester hervorgegangen. In verschiedenen Formationen traten die 25 Bläser- und Bläserinnen sehr professionell auf, angeführt von ihrem bewährten Profidirigenten Matthias Bauer, der das Sinfonieorchester seit 1997 leitet. In Weil der Stadt dirigierte er die diversen Gruppenbesetzungen engagiert und begeisterungsfähig. Gleich mit einer modernen Suite namens „Six Dances” von Tylman Susato begann das Konzert, gespielt vom großen Blechbläserensemble. Schon mit diesem souverän vorgetragenen Stück wurden die fast 200 Besucherinnen und Besucher auf einen musikalisch spannenden und abwechslungsreichen Abend eingestimmt. Danach folgte mit der großen Holzbläser-besetzung eine zur sommerlichen Abendstimmung passende Serenade für 13 Bläser, op.7 von Richard Strauss, der dieses Stück bereits als Siebenjähriger komponiert haben soll. Hier kamen besonders die einzelnen Holzblasinstrumente wie Oboe, Fagott, Klarinette oder Flöten exzellent zum Ausdruck. Das nächste Stück, wiederum vom großen Blechbläserensemble gespielt und vom zeitgenössischen Kompositen, Chris Hazell, verfasst, hieß „The tree cats”. Das „tierische” Thema ist musikalisch sehr stimmig umgesetzt. Wie Katzen eben sind — mal launisch, mal anschmiegsam, mal verstohlen oder frech — so war auch die meisterhaft vorgetragene Musik.

Weitere Programmhöhepunkte waren die fünf Sätze aus Carl Orffs „Carmina Burana”, arrangiert für zehn Holzbläser, sowie der vierte Satz aus Joachim Raffs Sinfonietta für zehn Bläser, op.188. Das Publikum genoss diese Serenade bei einem wunderbaren Abendhimmel sichtlich und bedachte das Ensemble mit großem Beifall. Anschließend richtete der Stiftungsratsvorsitzende Hans Dieter Scheerer seinen Dank an Orchester und Publikum. Zum festlichen Ausklang spielte das Orchester dann noch beschwingt als Zugabe den 1. Satz, Allegro, aus Antonio Vivaldis Concerto in B-Dur. (red)


Es ist das Erbe von Rose und Rolf Schnaufer: Seit vielen Jahren helfen Weil der Städter Kindern mit
Down-Syndrom in Peru. Jetzt im Corona-Lockdown geht das Geld aus.

Seit März haben die Lehrer ihre Schüler nicht mehr gesehen. „Uns ist es aber gelungen, unsere Beziehung zu den allermeisten Jugendlichen aufrecht zu erhalten“, sagt Jimena Diaz, die für den Unterricht zuständige Direktorin. Sie wirkt trotz der schwierigen Situation nicht unzufrieden. „Ja, darüber sind wir überglücklich.“

Corona hat auch den südamerikanischen Anden-Staat Peru fest im Griff. Und auch einige Weil der Städter zittern mit, denn die dortige Stiftung „Unámonos“ betreibt in Perus Hauptstadt Arequipa eine Schule und ein Kinderheim für Behinderte, die meisten davon mit dem Down-Syndrom. „Ich telefoniere regelmäßig mit den drei Direktorinnen“,
sagt der Stiftungsvorsitzende Hans Dieter Scheerer aus Weil der Stadt. „Große Sorgen machen uns die finanziellen Auswirkungen des Lockdowns in Peru.“

Wie die Situation konkret ist, schildern die drei Direktorinnen Jimena Diaz (Unterricht), Silvana Cavallero (Inklusion und Integration) und Cecilia Corpancho (Verwaltung) dem Reporter in Deutschland per Video-Konferenz.

110 Kinder mit besonderem Förderbedarf werden an der Schule in Arequipa unterrichtet. 107 davon erreichen die Pädagogen nach wie vor per Handy- oder Computer-Unterricht. „Da ist unser großer Erfolg“, sagt auch Silvana Cavallero, die für Inklusion zuständige Direktorin. Die Peruaner seien da sehr kreativ und bemühten sich um ihre Kinder. „Manche Eltern haben kein Internet“, berichtet Cavallero, „dann fragen sie eben die Nachbarn oder sie teilen sich das Internet mit anderen.“ Die Eltern seien „fantastisch“.

Ein großer Rückschlag für die Schulgemeinschaft war jedoch der Tod eines Kollegen, der an Corona gestorben ist. 50 Jahre war der Lehrer erst alt, auch Hans Dieter Scheerer
hat ihn gekannt und kann es kaum glauben. „Das war ein Bär von einem Menschen – man hätte es ihm am wenigsten zugetraut, dass ihn dieses Virus umhaut.“

Neben den gesundheitlichen bedrücken die drei Peruanerinnen aber auch die finanziellen Sorgen. „Die Wirtschaft in Peru wurde getragen von kleinen Unternehmen“, erklärt Jimena Diaz. Viele Selbstständige waren das mit kleineren Jobs, zum Beispiel Taxifahrer. Das Problem: Im Lockdown sind alle diese Jobs unmöglich auszuführen. „Die Leute dürfen nicht nach draußen, deshalb haben sie kein Geld – und deshalb nichts zu essen“, berichtet die Unterrichts-Direktorin.

„Deshalb planen wir, den Kindern und Familien Weihnachtspakete zukommen zu lassen, um so die schlimmste Not zu lindern“, sagt der Hans Dieter Scheerer. Das großere Problem aber ist: Erst recht haben die Eltern kein Geld, die Gebühren für die Schule zu zahlen. Etwa 15 000 Euro braucht die Schule pro Monat. 27 Angestellte gibt es, 16 davon bezahlt der peruanische Staat. Für elf Pädagogen muss die Schule selbst mithilfe der Weil der Städter aufkommen. „Bis Ende Dezember reicht unser Geld“, berichtet
Verwaltungschefin Cecilia Corpancho.

Im neuen Jahr dann nicht mehr. Für Hans Dieter Scheerer ist es klar, dass man helfen muss, er wendet sich deshalb an die Weil der Städter. „Auch der kleinste Betrag ist hier sehr hilfreich“, sagt Scheerer, der sich für die FDP auch im Gemeinderat und als Landtagskandidat engagiert. „Gerade zu Weihnachten ist es wichtig, dass die Schwächsten auch berücksichtigt werden.“ 

Die Unámonos-Stiftung geht auf das Ehepaar Schnaufer zurück. Rolf, der Wolldeckenfabrikant, war dort schon in den 50er Jahren regelmäßig in Peru auf der Suche nach Lama- und Alpakahaaren. Und Rose Schnaufer kannte das südamerikanische Land ebenfalls, weil ihre Familie mütterlicherseits nach dem Ersten Weltkrieg dorthin ausgewandert war.

„Die Leute dürfen nicht nach draußen. Ohne Arbeit und Geld haben sie nichts zu essen.“
Jimena Diaz über die Situation in Peru

Klar war für die Schnaufers, helfen zu wollen. Und auch aktuell stand der Kurs der Schule eigentlich auf Wachstum – wäre Corona nicht gekommen. Neu aufstellen wollte die Unámonos- Stiftung die Einrichtung in Peru. Die Förderung von Kleinkindern bis zu drei Jahren sollte dazukommen, ein Programm, um Erwachsene in Firmen zu vermitteln, dazu Therapien für Familien und ein Onlineshop, bei dem die Schüler Produkte verkaufen. „All das konnte nicht wie geplant realisiert werden“, muss Hans Dieter Scheerer berichten.

Der Stiftungsvorsitzende ist froh, dass zumindest das pädagogische Programm einigermaßen weiterlaufen kann: „Wir sind sehr stolz, dass wir drei so engagierte
Frauen und ihre Mitarbeiter haben.“ Von Florian Mader (Erschienen in der Leonberger Kreiszeitung am Mittwoch, 23. Dezember 2020)


Gotteslob und Halleluja im Klösterle

Das altehrwürdige Klösterle in Weil der Stadt erfuhr am vergangenen Sonntag ein Konzert besonderer Art. Dort, wo früher auf klassische Art Gottesdienste gefeiert wurden, wurde an diesem Abend das Evangelium auf musikalische Weise durch den Heimsheimer Gospelchor unter der Leitung von Frau Tijana Veljic verkündet, und dabei am E-Piano professionell von Klaus Rastetter begleitet.

„Weil es uns so gut geht und viele Menschen auf der Welt immer noch leiden, wollen wir heute etwas dazu beitragen, dass die Welt besser wird“, betonte die Chorleiterin bei ihrer Begrüßung und Vorstellung des Chores. Und darum wollten sie Gott danken und haben für dieses Konzert Lobpreislieder ausgewählt und gesungen.

Gleich ging es mit Leib und Seele zur Sache beim Lied „Praise his holy name“ und das vollbesetzte Klösterle schnippte und klatschte kräftig. Eher ruhig, gefühlvoll und melancholisch wurde das Lied „To god be the glory“ vorgetragen und mit viel Applaus bedacht. Bei dem bekannten Lied „Lord, i lift your name on high“ brauchte man die Zuhörer nicht lange bitten, mitzuschnippen und mitzuklatschen. Und das bekannte Lied „Halleluja“ von Cohen verwandelte dann das Klösterle geradezu in einen großen Chor, welcher den Refrain lautstark und voller Freude mitsang. Besonderes Applaus erhielten auch die beiden von Solisten vorgetragenen Titel „Hymn“ und „I still haven’t found“. Zwischendurch wurden immer wieder Texte und Psalmverse zu den einzelnen Titeln gesprochen, passend zu den inhaltlichen Aussagen der zumeist in Englisch gesungenen Lieder. Vor dem letzten Lied bedankte sich Stiftungsratmitglied Heinrich Lutz herzlich für das gelungene Konzert, das fast einem Verkündigungsgottesdienst glich. für die Spenden zugunsten der Stiftung „Unámonos“, welche bedürftige und behinderte Kinder in Arequipa/Peru schon seit fast 40 Jahren unterstützt und stets auf Spenden angewiesen ist. Nach dem Segenslied gab es noch zwei berauschende Zugaben wie „O happy day“ und „Amen“, das keinen mehr auf den Sitzen hielt. Insgesamt kamen bei dem Konzert ca. 1100 € zusammen, welche ungekürzt in die Einrichtung nach Peru fließt.

Heinrich Lutz
Pressesprecher für die Stiftung Unamonos


Die Bosch-Big-Band spielte zugunsten der Stiftung Unámonos

„Fun Time“, komponiert von Sammy Nestico, lautete auch gleich der erste Titel, mit dem die mit 18 Personen besetzte Bosch Big Band unter der professionellen Leitung von Sepp Herzog das Benefizkonzert für die Stiftung „Unámonos“ begann. Schon die ersten Klänge versprachen, dass es sich hier – obwohl alles Laienmusiker der Firma Bosch – um anspruchsvolle Musik handelte. Nicht laienhaft oder zögerlich gingen die Musiker, unter anderem auch mit einer Frau besetzt, ans Musizieren, sondern man merkte bei allen Spielen und Solisten ihre Semiprofessionalität.

Dass mit Miriam Angstmann eine begnadete und ausdrucksstarke Sängerin mit am Bord war, kann man als Glücksfall bezeichnen. Sie ist die „Beste“, so Sepp Herzog bei seinen Moderationen der einzelnen Stücke. Viele Solisten konnten sich bei diesem Konzert auszeichnen und ihr Können unter Beweis stellen, wie zum Beispiel bei den Stücken  „Little Darling“ die Trompeter, oder bei „Cute“ der Schlagzeuger, beide komponiert von Neal Hefti. Aber auch die Bass- und Rhythmusgitarristen, sowie der junge Pianist glänzten in ihren Soloparts. Bei dem Stück „Fever“ von John Davenport und Eddie Cooley sollten und konnten die circa  200 Zuhörer mitschnipsen und der Profimusiker Sepp Herzog ließ es sich nicht nehmen, selbst dazu mit der Trompete zu improvisieren.

Ebenso spannend und vielversprechend ging es nach der Pause weiter. Es wurden Stücke von Komponisten aus „aller Welt“ gespielt, Stücke wie „Children of Sanchez“ oder „The way you look tonight“, welche Chack Mangione und Jerome Kern komponiert haben. Einen geradezu feierlichen  Höhepunkt erreicht das Konzert, als Sepp Herzog selbst zur Trompete griff und „in memoriam“ an die verstorbene Gründerin der Stiftung Rose Schnaufer  das Stück „I remember Clifford“ von Benny Golson mit Gefühl und Hingabe interpretiere.

Manchmal schräg und disharmonierend, manchmal laut und leise, manchmal melancholisch und heiter, aber stets im typischen Rhythmus und Bigbandsound wurde das Konzert von den Zuhörern beschrieben, die allesamt glücklich und zufrieden waren und letztes Endes auch sich großzügig zeigten beim Einsammeln der Spenden. Über 1200 € kann die Stiftung nun den behinderten Kindern in Arequipa in Peru überweisen, um sie auf ihrem beschwerlichen Weg in die Berufswelt zu begleiten, wie der Vorsitzende der Stiftung, Hans Dieter Scheerer, zu Beginn seine Begrüßungsrede äußerte. Jeder Euro und jede Hilfe ist willkommen, damit die Stiftung ihren Auftrag erfüllen kann.

Heinrich Lutz
Pressesprecher für die Stiftung 


Um behinderten Kindern in Arequipa zu helfen, braucht man nicht unbedingt nach Peru reisen. Auch hier vor Ort gibt es Möglichkeit, Not in anderen Ländern zu mindern, wie es die Weil der Städter Stiftung „Unamonos“ schon seit fast 40 Jahren tut. Da die Stiftung auf Hilfe von außen angewiesen ist, erklären sich u.a. immer wieder Chöre oder Musikbands bereit, ein Benefizkonzert zugunsten der Stiftung zu geben.

Am Sonntag, den 22.September ist es wieder um 11.30 Uhr soweit: Wenn ca. 25 Männer und Frauen mit Musikinstrumenten im Gepäck die Weil der Städter Stadthalle betreten, dann ist wieder „time for music“ angesagt. In diesem Falle spielt die über die Grenzen hinaus bekannte Bosch-Big-Band.

Die 2003 gegründete Bosch Big Band verfügt über ein breites Repertoire von Klassikern der Swing-Ära, über erdige Soul- und Funktitel bis hin zu coolen Latin-Stücken. Unter der langjährigen Leitung des Profi-Jazztrompeters Sepp Herzog glänzte die Band bei Auftritten u.a. auf Jazz-Galas mit Jiggs Whigham, Silvia Droste und Bill Ramsey und auf Tourneen nach Ungarn und die USA.

Nach „My Favourite Things“ und „In a Mellow Tone“ hat die Bosch Big Band mit „All I Want for Christmas“ inzwischen ihre dritte Studioproduktion aufgelegt.

Die Bosch Big Band besteht aus Mitarbeiter/Innen der Firma Robert Bosch GmbH, und sind allesamt Hobbymusiker. Sie sind inzwischen so gut eingespielt, dass sie auch international gefragt ist. So bestritt sie in den letzten Jahren nicht nur Auftritte in
Deutschland. Tourneereisen führten sie auch nach Ungarn und in die USA.
Und für ein Benefizkonzert für die Stiftung zu spielen, ist sich Band nicht zu schade. Wir dürfen uns also auf ein spannendes und abwechslungsreiches Konzert freuen.

Heinrich Lutz
Pressesprecher für die Stiftung Unamonos


Erfahrungsbericht Unámonos + Hogar de Cristo

Mein Name ist Kirsten Mögel, ich bin 20 Jahre alt und komme aus Weil der Stadt. Im Juli 2012 habe ich mein Abitur hier am Johannes-Kepler-Gymnasium absolviert. Für mich stand fest, dass ich nicht sofort studieren möchte, sondern zuerst einmal ins Ausland gehe, am Besten nach Südamerika. Die Länder haben mich schon immer fasziniert und da ich in der Schule 5 Jahre Spanisch hatte, konnte ich schon gut Spanisch sprechen und es kaum abwarten neue Kulturen zu erkunden. Diesen Traum habe ich mir dann auch verwirklicht und war insgesamt 8 Monate unterwegs. Dabei hatte ich die Chance Uruguay, Argentinien, Ecuador, Bolivien und vor allem Perú näher kennenlernen zu können:
Die meiste Zeit (knappe 6 Monate) war ich in Perú und habe Praktika gemacht. Unter anderem in Krankenhäusern für mein Medizinstudium, das ich dieses Jahr anfangen möchte. Auf „Unámonos“ und dem „Hogar de Cristo“ bin ich durch das Projekt „Mitmachen Ehrensache“, welches ich an unserer Schule organisiert hatte und wobei jedes Jahr der Erlös für einen guten Zweck verwendet wird (jenes Jahr zufällig für Unámonos), gestoßen. Dadurch habe ich Frau Dr. Schnaufer kennengelernt und mich mit ihr in Verbindung gesetzt. Sie fragte mich, ob ich denn nicht dorthin gehen wolle um zu helfen. Somit erzählte ich ihr von meinem Südamerikavorhaben. Es war kein Problem auch „nur“ 2-3 Monate die Projekte „Unámonos“ und „Hogar de Cristo“ zu unterstützen.

Somit habe ich 2 Monate (Mai+Juni 2013) 2 Tage in der Woche bei „Unámonos“ und 3 Tage in der Woche im „Hogar de Cristo“ als Freiwillige mitgearbeitet. „Unámonos“ ist eine Stiftung für bedürftige, geistig und / oder körperlich behinderte Kinder in Arequipa, Perú. Es gibt momentan insgesamt ca. 20 Babies und 84 Kinder / Jugendliche, die alle überwiegend das Down-Syndrom haben. Alles ist sehr gut durchstrukturiert und es gibt verschiedene Gruppen, angefangen bei der Frühstimulation, über den Kindergarten, die „Schule“ und die Vorbereitung auf einen Beruf. Die Kinder sind nur vormittags von 8:30Uhr bis 13:30Uhr dort, bekommen in einer Pause aber auch eine Kleinigkeit zu essen. „Hogar de Cristo“ ist eine Einrichtung für ca. 40–50 Kinder und Jugendliche von 6–17 Jahren aus Arequipa, die in großer Armut leben und meist familiäre Probleme haben. Hier gibt es 2 Gruppen, eine vormittags von 8Uhr bis 12:30Uhr und eine nachmittags von 14Uhr bis 19Uhr.
Wohnen konnte ich in einem Zimmer mit Bad im „Hogar de Cristo“ und bekam einen Schlüssel, so dass ich unabhängig war, wenn am Wochenende keiner da war. Übrigens ist Arequipa (2400 Höhenmeter) eine wunderschöne Stadt mit schönen Plätzen, Kirchen und Höfen am Fuße von dem Vulkan „Misti“ . Wie die meisten Peruaner waren die Mitarbeiter in den Projekten total herzlich, offen und nett. Es gab auch noch jeweils eine andere Freiwillige, mit denen ich mich super verstanden habe.

Nun, was genau habe ich jetzt gemacht?
Zuerst einmal zu „Unámonos“: Wie gesagt, war ich 2 Tage die Woche bei „Unámonos“. Dienstags habe ich mit den Babies und bis zu 3-jährigen Kleinkindern vom Programm der Frühstimulation zusammen gearbeitet. Das hat sehr viel Spaß gemacht und die Kinder waren total süß! Wir haben unter anderem viel mit Musik und Singen gearbeitet, denn damit können die Kinder schneller Informationen auffassen. Wir haben zusammen gemalt, Körperteile gelernt oder Farben mit der „Farbampel“ erkundet. Meist haben wir uns mit den Babies / Kleinkinder zwischen unseren Füßen auf Matratzen gesetzt und verschiedene Übungen für die Feinmotorik gemacht, beispielsweise Kugeln in eine Flasche gelegt.
Mittwochs war ich mit in der 5. Klasse bei den 14–15jährigen Jugendlichen. Aufgrund ihrer Behinderung sind sie noch herzlicher & liebevoller und wachsen einem so richtig ans Herz! Sie sind nach kurzer Zeit immer auf mich zu gerannt gekommen und haben mich umarmt. Nur manchmal war es schwierig, wenn sie (wie ich es nenne) ihre „5 Minuten“ hatten. In meiner Gruppe gab es 6 Schüler und Schülerinnen, die alle unterschiedliches Können haben und deshalb auch verschiedene Aufgaben bekommen, bei denen ich geholfen habe. Jonathan beispielsweise hat mit den Zahlen eins bis drei Schwierigkeiten und ist dabei zu lernen, seinen Namen & Mama zu schreiben. Junior dagegen kann sogar Diktate schreiben und Subtrahieren bis 20. Für die Kinder gibt es einen Stundenplan mit verschiedenen Fächern wie Musikunterricht, Sport, Sprachtherapie oder Handwerkssachen wie Schreinern oder Knüpfen. Gegen 11:15Uhr gibt es immer eine Pause, wobei die Kinder etwas zu essen bekommen, danach den Tisch aufräumen & spülen und kurz „frei“ haben. Sie können sich sonst nicht so lange am Stück konzentrieren. Um 13:30Uhr ist dann Schulende und alle gehen nach Hause.

3 Tage der Woche habe ich mit den „Straßenkindern“ vom „Hogar de Cristo“ zusammengearbeitet. Dort habe ich Montag-, Donnerstag- und Freitagnachmittag von 14:30–19Uhr geholfen. Zuerst gab es immer Mittagessen, wobei ich den Essensraum hergerichtet und das Essen geschöpft & ausgeteilt habe. Vor dem gemeinsamen Essen wurde immer kurz gebetet. Nach dem Essen mussten die Kinder abspülen und haben Putzaufgaben bekommen, z.B.:
Toiletten, Höfe und Räume. Danach haben wir zusammen Hausaufgaben gemacht. Später gab es kleine „Projekte“ wie Musik, Nähen, Tanz oder Backen (jeweils an verschiedenen Tagen). Abschließend kam das gemeinsame Abendessen und wieder mit anschließendem Putzen. Gegen 19Uhr sind die Kinder dann alle nach Hause gegangen. Die Arbeit hat mir Spaß gemacht, obwohl es meist schwieriger war, weil die Kinder natürlich so keine „Regeln / Normen“ kennen (was sie im „Hogar“ lernen sollen) und meist machen, was sie wollen. Aber sie wachsen einem dann doch trotzdem ans Herz!

Schließlich hatte ich auch noch die Möglichkeit bei verschiedenen Aktionen mitzuhelfen und dabei zu sein.
Bei „Unámonos“ kommen einmal im Jahr Ärzte aus den USA und untersuchen die Kinder kostenlos. Auch der Zahnarzt bleibt nicht aus und der ein oder andere Zahn muss unter kleiner Narkose gezogen werden. Das war vor allem für mich, als angehende Medizinerin sehr interessant, den Ärzten zu zuschauen. „Unámonos“ hat zwar eine Ärztin, die zweimal die Woche kommt und den Kindern Rezepte gibt, ist aber in ihren Möglichkeiten natürlich beschränkt.
Ich habe zufällig beim Leichtathletik einen Zahnarzt kennengelernt, der in Zukunft kostenlos helfen möchte.
Beim Muttertagsfest gab es tolle Aufführungen von jeder Gruppe (meine 5. Klasse war natürlich die Beste); beim Vatertag hat jede Gruppe gezeigt, was sie gelernt hat. Ein anderes Highlight war eine kleine „Olympiade“ zwischen verschiedenen behinderten Schulen, wobei einige Schüler von „Unámonos“ fleißig mitgemacht haben und von uns angefeuert wurden.

Total lieb war der Abschied organisiert von den Müttern der Babies / Kleinkindern der Frühstimulation – es gab eine extra Abschiedstorte und ganz viele Umarmungen von meinen „Großen“ aus der 5. Klasse.
Im „Hogar de Cristo“ wurde auch ein großes Muttertagfest mit kleiner Andacht und tollen (Tanz-) Vorführungen gefeiert. Ein Highlight hier war der Ausflug in den nahegelegenen Park zum Fußballspielen und Pappkartonrutschen.
Zum Abschied haben die andere Freiwillige und ich für die Kinder belegte Brötchen mit Wurst & Käse gemacht (etwas Besonderes), worüber sich die Kinder gefreut haben. Mit den Kollegen sind wir lecker Essen in einem Grillrestaurant gegangen.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass es die beste Entscheidung war ins Ausland zu gehen, und ich habe so viele neue Erfahrungen gesammelt. Vor allem habe ich viele neue Leute, Kulturen und Gewohnheiten kennengelernt.
Die Freiwilligenarbeit in Arequipa bei „Unámonos“ und im „Hogar de Cristo“ hat mir sehr viel Spaß gemacht, und ich habe einiges dazu gelernt. Ich kann es jedem nur empfehlen, denn die Hilfe wird gebraucht. Das, was man schenkt, bekommt man an Herzlichkeit zurück. Irgendwann möchte ich zurückkehren und alle besuchen…


Mein Praktikum im Kinderheim Unamonos

Ich heiße Laura Schneidewind, bin 23 Jahre alt und studiere Grundschullehramt in Freiburg. Ich habe im März 2013 ein 4-wöchiges Praktikum im Kinderheim Unamonos in Arequipa gemacht.

Ich bin am 25. Februar in Arequipa gelandet. Meine Gastfamilie hat mich vom Flughafen abgeholt. Die Mutter, Jimena Diaz Zapater ist die Direktorin von Unamonos. Sie war als Ersatzmutter oder eher Freundin äußerst nett, offen, witzig, hilfsbereit und liebenswert. Ich habe mich sofort sehr wohl bei der Familie gefühlt.

Mit Jimena bin ich morgens immer zu Unamonos gelaufen. Ich war in der segundo grado mit Candy. Sie hat sich streng aber liebevoll um die Kinder gekümmert. Wir haben viele Rituale und gleiche Abläufe gehabt, denn genau das brauchen diese besonderen Kinder. Sie waren alle ganz süß und toll und es hat sehr Spaß gemacht mit ihnen zu arbeiten, ihnen zu helfen und mit ihnen Quatsch zu machen. In der zweiten Klasse lernt man viel Motorik, wie schneiden, malen, richtig essen mit Besteck, soweit das geht und sich richtig zu begrüßen. Wir reden viel mit ihnen in der Hoffnung etwas zurück zu bekommen. Es gab bessere und schlechtere Tage. Manchmal kamen richtige Sätze zum Vorschein. Sie erzählen uns viel aber man versteht leider nicht viel. Die Gestik hilft jedoch, sie können sich damit ausdrücken. Sie können nicht allein auf die Toilette und brauchen generell viel Hilfe. Das ist eine sehr neue Erfahrung für mich gewesen und ich wusste vorher nicht, ob ich damit klar komme. Es hat mir aber nie etwas ausgemacht ganz im Gegenteil. Ich habe mich so gebraucht und wichtig im Team gefühlt, dass es eine große Bereicherung für mich war dieses Praktikum zu durchleben. Ich kann mir dadurch gut vorstellen später mit behinderten Kindern zu arbeiten.

Unamonos ist eine freundliche, offene Einrichtung. Das Gebäude ist einladend und kinderfreundlich gestaltet, viel in blau und weiß. Die Klassen sind in angenehmen Größen und den Umständen der Kinder gerecht. Die Babygruppe ist total süß gemacht und Therese ist eine sehr herzliche, gutmütige Frau, die ihre Arbeit liebt und ganz toll macht. Ich war manchmal dort, weil ich es so schön fand dort. Die Lehrer kamen mir kompetent vor und haben ihre Arbeit gern gemacht. Das finde ich sehr wichtig. Die Kinder wirkten glücklich und hatten Spaß. Ich habe in den Wochen viele Fortschritte der Kinder mitbekommen. Das hat mich beeindruckt und gefreut.
Durch Erzählung habe ich von den Lebensläufen mancher Schüler erfahren und bin begeistert wie viel wir ihnen damit helfen und wie weit sie doch teilweise kommen im Leben. Das ist sehr schön!

Leider üben viele Eltern nicht mit ihren Kindern zu Hause, was die Kinder in der Schule lernen. Das ist vor allem ein Problem, wenn die großen Ferien sind und sie über Monate ihre Übungen nicht machen. Die Kinder vergessen viel und fangen teilweise bei 0 an und wir müssen viel Arbeit leisten, um sie wieder zu verbessern. Das ist schade und hält den Lernprozess auf.

Schlechte Erlebnisse von Unamonos hatte ich jedoch keine. Mich hat dieses Praktikum sehr weitergebracht. Ich bin sehr beeindruckt von Unamonos. Diese freudige, glückliche Atmosphäre der Kinder und der Lehrer verschafft Leichtigkeit, positive Energie und Motivation für jeden neuen Tag. Die Kinder kamen mit einem Strahlen in die Schule, sie werden von allen umarmt und herzlich begrüßt. Es war wie eine große Familie, in der ich für kurze Zeit ein Teil war. Der Slogan „Somos mas que una escuela, somos una familia“ ist ehrlich zutreffend und authentisch. Das Praktikum hat mich so inspiriert, erfüllt und glücklich gemacht wie nie zuvor eine Arbeit. Ich danke für die schöne Zeit, die in mir die Liebe zu Peru, der Kultur und den Menschen hervorgerufen hat, sodass ich am Liebsten dort leben würde.


Ein Jahr Freiwilligenarbeit bei Unámonos

Mein Name ist Lene Baumgart, ich bin 19 Jahre alt und war ein Jahr lang auf Grund eines Freiwilligendienstes in dem lateinamerikanischen Land Peru.
Nach zahlreichen Bewerbungen bei zahlreichen Entsendeorganisationen, wie z.B. Weltwaerts, bin ich über meinen Großvater auf die Stiftung „Unámonos“ gestoßen. Mein Großvater war in den 70-er Jahren für einen Zeitraum von 10 Jahren der Direktor der deutschen Schule v. Humboldt in Lima.
Sowohl meine Mutter als auch ihre Geschwister sind demnach alle in Peru aufgewachsen, weshalb ich schon als kleines Mädchen immer den Bezug nach Peru hatte und der Wunsch, dort auch einmal hinzukommen, immer intensiver wurde. Mein Großvater hat dann über einen ehemaligen Schüler aus Lima von Unámonos gehört und mir Kontaktdaten geschickt, sodass ich mich bewerben konnte. Das ging dann auch einerseits sehr unkompliziert, jedenfalls von Seiten Deutschlands, und andererseits hat es sich dann doch sehr in die Länge gezogen, weil die Schule Unámonos in Peru im Dezember kurz vor den Sommerferien stand und die Organisation meiner Arbeit dort etwas warten musste.

Nichts destotrotz hat sich das dann alles sehr einfach geklärt, sodass ich am 01.03.2013 in meinem Iberia-Flug nach Arequipa, Peru saß.
Meine Ankunft in Peru war etwas holprig, aber schon nach dem ersten richtigen Tag, den ich in Arequipa, einer Gebirgsstadt auf 2400 m Höhe, verbracht habe, habe ich mich sehr wohl und heimisch gefühlt.
Mein zweiter Tag, und somit der 04. März, war wieder Schulbeginn nach den langen Sommerferien und mein erster Arbeitstag bei der „Asociación Unámonos“.
Abgeholt wurde ich von Debbie Manrique, der damaligen Administratorin, die mich zu meiner Klasse gebracht hat und der Lehrerin, mit der ich dann zusammen gearbeitet habe. Wenn man zu Unámonos kommt, betritt man durch eine große, schwere Holz-Doppeltüre einen steinernen Vorhof, auf dem die Eltern morgens ihre Schützlinge abgeben und sie nachmittags wieder in ihre Arme schließen. Durch ein sehr schön verschlungenes und verschnörkeltes Eisentor gelangt man auf den primer patio (erster Hof), auf den das Direktorat, das Sekretariat und die Administration ihren Blick haben. Es gibt noch zwei weitere Klassenräume, da ändern sich aber regelmäßig die Klassen, die diese benutzen. In diesem Jahr war dort auch die „Estimulación Temprana“, in diesem Fall mein Arbeitsplatz. Schon im primer patio begrüßen dich die Schüler von Unámonos, bei denen der Großteil das Down-Syndrom, oder auch bekannt als Trisomie 21, hat. Etwa 5 der damals 85 Schüler waren Autisten und ein paar weitere Vereinzelte hatten ein weiteres/anderes Syndrom. Wie man immer wieder hört oder spätestens bei der ersten Begegnung mit einem Kind mit Down-Syndrom bemerkt, sind das extrem fröhliche, glückliche, strahlende Kinder mit einer faszinierenden und fesselnden Ausstrahlung.

Ohne dich vorher ein Mal gesehen zu haben im Leben, kommen sie auf dich zu, umarmen, herzen, grüßen dich, wenn du ihnen nur ein kleines Lächeln schenkst. Anfangs ist das ein etwas befremdliches Gefühl, man gewöhnt sich aber schnell daran und nach kurzer Zeit lernt man es sehr Wert zu schätzen und es zu vermissen, wenn man es nicht mehr hat. 
Von dem primer patio gelangt man in den segundo patio (zweiter Hof), in dessen Mitte sich ein grün-farbiger Teppich befindet, auf dem mehrere Spielplatz-Gerätschaften, wie Plastikrutschen oder ein kleines Spiel-Gartenhaus, für die Schüler jüngerer Klassen zur Verfügung stehen. 
Von dem segundo patio kann man nun entweder links die Treppe nach oben wählen oder rechts in den tercer patio (dritten Hof) weitergehen. 
Im tercer patio gibt es richtigen Rasen und ein großes Klettergerüst für die schon etwas älteren Kinder, von der 1. bis zur 4. Klasse. 
Wählt man die Treppe nach oben, befinden sich dort die 5. und 6. Klasse, der Balkon für den Sportunterricht und die Räumlichkeiten der beiden Programme „Ruth Rey de Castro“ und „Jaime Rey de Castro“, die die Schüler von Unámonos innerhalb von 3 Jahren auf ein Arbeitsleben vorbereiten und sie dann auch später in einen Beruf versuchen einzugliedern. Läuft man auf einer Art Balkon an dem ganzen oberen Stockwerk entlang und an allen drei patios vorbei, kommt man zu der Haupttreppe, die wieder in den primer patio führt. 

Der gesamte Komplex wirkt sehr hell und freundlich, weil er aus dem für Arequipa berühmten weißen Vulkangestein „sillar“ besteht.
Im alten Stadtkern und -zentrum Arequipas, in dem sich auch Unámonos befindet, sind die meisten Gebäude aus sillar, dem die Stadt ihren Namen „la ciudad blanca“ (die weiße Stadt) zu verdanken hat.

Nun zu meiner eigentlichen Arbeit in der „Estimulación Temprana“ (wörtlich übersetzt: Frühkindliche Stimulation) und meiner liebevoll genannten Tía Teresa (Tante Teresa), die ursprünglich als Psychologin gearbeitet hat und jetzt seit 30 Jahren für, mit und bei Unámonos arbeitet.
Wie es auch schon in den Worten „Frühkindliche Stimulation“ steckt, gilt es hierbei, mit den Kindern so früh wie möglich mit dem Arbeiten anzufangen, sodass sie sich möglichst normal entwickeln können.
Die jüngsten Geschöpfe waren drei Tage alt und sollten, wenn es gut läuft, ab dem 3. Lebensjahr in eine Art Vorschule eingegliedert werden.
Zum Unterricht kommt meistens ein Elternteil oder ein vertrautes Mitglied aus der Familie oder dem Freundeskreis mit, um dann mit dem Kleinkind zusammen zu arbeiten. Wir hatten drei dunkelgrüne Matten, wie man sie aus dem deutschen Schulsportunterricht kennt, die auf dem Boden vor einem Spiegel liegen, der sich über die ganze Wand zieht. Sinn und Zweck dieses Spiegels ist, dass diese kleinen Schüler sich selbst beim arbeiten zusehen können, gleichzeitig aber auch immer die Gewissheit haben, dass sich ihre Mutter noch hinter ihnen befindet, auf sie aufpasst und sie nicht im Stich lässt. Grundsätzlich kann man sagen, dass diese Kinder sehr stark auf Emotionen mit ihren eigenen Emotionen reagieren.
Heißt, wenn eine Mutter sehr traurig war, oder noch immer in einer Art Schockzustand aufgrund der Krankheit ihres Kindes, hat sich das extrem auf das Verhalten und auch auf den Lernprozess des Kindes ausgewirkt. Vor Allem diese Kinder brauchen sehr viel Rückhalt, ständige Bestätigung und für die meisten Eltern ist das am Anfang noch sehr schwierig.

Als Entwicklungsland gehört es in Peru nicht zur Allgemeinbildung, dass man sich ein bisschen über das Phänomen „Down-Syndrom“ auskennt. Dafür hat die Direktorin Jimena Díaz ein neues Programm gestartet, das darin besteht, dass die Eltern der Estimulación Temprana jeden Donnerstag um 12 Uhr einen kostenlosen Vortrag von Ärzten, Lehrern, Ernährungsberatern, Eltern mit dem gleichen Schicksal, etc. bekommen, um erst einmal eine Grundinformation über diese Behinderung zu erhalten. Selbstverständlich konnten alle Eltern aller Schüler der gesamten Schule an diesen Vorträgen teilnehmen.
Neben diesen Vorträgen gehört zum Programm der Estimulación Temprana eine Physiotherapie-Stunde, eine Behandlung der hauseigenen Logopädin und zwei Mal die Woche eine dreiviertel Stunde bei Teresa.
Teresas Programm ist über das ganze Jahr hin gestaltet und fängt ruhig an, um das Niveau und die damit verbundene Entwicklung dann stetig zu steigern.
Am Anfang der Stunde finden sich die pro Klasse etwa 3–6 Mütter mit ihren Kindern auf den Matten zusammen und beginnen, die Hände zu stärken und die Hand-Objekt-Koordination zu verbessern.

Beispielsweise bekommen die Kinder kleine Kugeln, die sie dann durch eine normale Öffnung in eine 0,5-Liter Flasche befördern müssen. Um das zu können, müssen sie genug Kraft in den Händen und anschließend genug Fingerspitzengefühl und Konzentration haben, die Kugel direkt in die Öffnung zu treffen. Anfangs hilft man den Kindern dabei, aber ich habe schon nach kurzer Zeit bei den meisten einen schnellen Fortschritt bemerkt und dann konnte man zu ähnlichen, aber schwierigeren Übungen übergehen.
Sind die kleinen Händchen erst einmal gestärkt, bekommt jeder Schüler eine kleine Trommel zwischen die Beine, zwei Schläger in die Hand, Teresa macht rhythmische Kinderlieder an und es wird im Takt zu der Musik ein bisschen getrommelt.
So sollen die Kinder ein Rhythmusgefühl entwickeln, das ihnen später nicht nur beim Sprechen, sondern auch beim Laufen helfen soll.
Jetzt kommen noch die Rasseln dran oder ein Xylophon und dann setzen sich alle gemeinsam an einen großen Tisch, auf dem schon weißes Papier mit vorgezeichneten Formen liegt, die die Kinder ausmalen müssen. Jegliche Techniken, von Wischen bis Tupfen, werden abwechselnd angewendet, oder man macht eine Bastelstunde, bei der erst Papier auseinandergerissen werden muss und dann eine Sauerei mit dem Kleber angestellt werden darf.
Wenn dann noch Zeit ist, gibt es eine 4-farbige Ampel, die dazu dienen soll, die Farben rot, blau, gelb und grün zu lernen und zu verinnerlichen.

Ein Arbeitstag bei Unámonos geht um 08:30 Uhr los, endet um 13:30 Uhr und in der Estimulación Temprana hat man auf den Tag verteilt etwa 4 – 6 Klassen.
Ich bin dann im Anschluss immer in die Gastfamilie gefahren, bei der ich gewohnt habe, um dort lecker Mittagessen zu bekommen und den Nachmittag dann frei gestalten zu können. Das Leben selber ist ein Peru billiger als in Deutschland, dennoch summieren sich natürlich ständige Taxi- oder Busfahrtkosten und so billig kommt man dann am Ende auch nicht weg. Ein Schuljahr hat in Peru im Juli etwa einen Monat Winterferien und dann ab Weihnachten bis Anfang März, also etwa zweieinhalb Monate Sommerferien, die die meisten peruanischen Familien am Strand verbringen.

Ich kann meine Arbeit bei Unámonos nur als wunderschöne Erfahrung bezeichnen, bei der ich sehr glücklich war und viel gelernt habe. Das Jahr war nicht eintönig und wurde auch nicht langweilig. Ich habe diese Arbeit nie als wirkliche „Arbeit“ empfunden, weil es mir immer riesigen Spaß gemacht hat und bei Unámonos keine strenge Arbeits¬atmosphäre herrscht. Das Personal geht sehr herzlich miteinander um, die Eltern sind mit den Lehrern befreundet, jeder Lehrer liebt seine Schüler und kämpft unendlich für sie, was die Kinder wiederum merken und einem ihr Vertrauen und ihre Zuneigung schenken.
Dieses Jahr bestand nicht nur daraus, dort jeden Morgen pünktlich aufzutauchen und dann den immer selben Verlauf jeden Tag durchzumachen. Ich durfte beispielsweise die Klasse drei Wochen lang alleine unterrichten, als Teresa eine Europareise genehmigt wurde. Oder es gab alle paar Monate ein großes Fest im primer patio, auf das dann lange hingearbeitet und vorbereitet wurde und bei dem jede Klasse etwas vorgestellt hat.
Es werden ein Mal im Monat Ausflüge gemacht mit der ganzen Schule und manchmal gibt es an Wochenenden freiwillige Sonderveranstaltungen.

Ich hatte mein Rückflugdatum für den 29. Juli geplant, also genau 5 Monate nach meiner Ankunft in Peru und habe ihn einen Monat vor dem Rückflug um 7 weitere Monate nach hinten verschoben.
So war ich genau ein Jahr lang dort und konnte abzüglich der Ferien neuneinhalb Monate bei Unámonos helfen.
An Wochenenden oder eben in den Schulferien kann man sich etwas Zeit nehmen, das Land oder/und die umliegenden Länder zu erkunden und ein wenig rumzureisen.
Ein Taschengeld bekommt man nicht, jedoch hat man selber keine Kosten für Unterkunft und Verpflegung und muss nur seine persönlichen Ausgaben bezahlen.
Die peruanische Küche zählt zu den Besten der Welt, was einem auch täglich bewiesen wird, nur muss sich ein deutscher Magen erst einmal an diese neuen Zutaten, Gewürze und Zusammensetzungen gewöhnen, sodass ich auch nach einem Jahr immer noch gerne mal für ein Tag wegen schlimmer Magenkrämpfe oder –Verstimmungen im Bett lag.
Es herrscht dort ein ganz anderes Leben und ein Kulturschock ist unvermeidlich, aber das Lebensgefühl ist dadurch nicht schlechter. Im Gegenteil: Ich war so glücklich dort, dass ich mir nicht vorstellen konnte, das nach fünf Monaten schon wieder aufgeben zu müssen.
Ich habe mich für die Verlängerung entschieden, was ich für eine der besten Entscheidungen meines bisherigen Lebens halte. Ich rate jedem, der so etwas in Erwägung zieht, es sofort zu tun und keine Sekunde daran zu zweifeln. Ich habe so viele neue, tolle Leute kennengelernt, seien es Freunde, die Gastfamilie oder die Mitarbeiter von Unámonos, zu allen habe ich jetzt noch viel Kontakt und ich kann es kaum erwarten, alle irgendwann wiederzusehen.
Das Leben in Arequipa und die Arbeit bei Unámonos sind eine große Freude und ich würde es jederzeit wieder tun!